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Sorgen sehen doch anders aus
Geschrieben von Judith Schmitz, Stadtspiegel Bottrop   
Tuesday, 15 January 2008

EdSense Melanie Der Bus kommt zu spät, das Abendessen ist nicht das Gewünschte - für so manchen sind solche Dinge Grund genug, schlechte Laune zu bekommen.

"Mein Gott, das sind doch alles keine Probleme", sagt Melanie Groß. Die 23-Jährige hat gerade drei Monate als Hilfslehrerin im ugandischen Dorf Mmanze verbracht und dort echte Sorgen hautnah erlebt.

Melanie lebte drei Monate in Uganda

(JS) Zum Beispiel die Geschichte von David. Der kleine Junge ist sechs Jahre alt und besuchte die Vorschulklasse in der Grundschule des Ortes. "Er ist im Unterricht immer wieder eingeschlafen", erzählt Melanie Groß, die die Mädchen und Jungen in dieser sogennanten "Topclass" unterrichtete. "Anfangs habe ich ihn gewecht und versucht anzuspornen. Bis ich irgendwann gesehen habe, wie der Kleine lebt.
David schläft mit seinen Geschwistern auf dem Hüttenboden, Kissen oder Decke gibt es nicht. "Manchmal decken sie sich mit irgendwelchen alten Kleidungsstücken zu, damit es nicht so kalt ist", weiß die angehende Pädagogin. "Kein Wunder, dass David tagsüber müde ist, er kann doch so nachts kaum schlafen." Auch die harte Arbeit im Garten oder auf dem Feld, die schon die Kleinein im Dorf verrichten müssen, verhindert häufig einen regelmäßigen Schulbesuch.
Davids Eltern leben noch - doch viele Kinder in Mmanze und Umgebung haben keinen Vater, keine Mutter mehr. Oft haben Krankheiten die Kinder zu Waisen gemacht, mit Glück können sie bei Verwandten unterschlüpfen. "Doch viele von ihnen haben selber kaum genug, um ihre Familien durchzubringen", berichtet die junge Frau. Und so findet man in Uganda - wie in vielen anderen Ländern Afrikas auch - immer wieder Gruppen von Geschwistern, die sich ohne Hilfe irgendwie durchbeißen müssen.

Der Kontakt mit Nashorn, Krokodil oder Nilpferd gehört für Kinder in Afrika zum Alltag, oder? Von Wegen. Als Melanie Groß mit den Schulkindern des Dorfes Mmanze und einigen Erwachsenen den Zoo in Kampala besuchte, war das Staunen groß.

"Viele von ihnen hatten bis dahin ihr Dorf noch nie verlassen", berichtet die angehende Grundschullehrerin, die im Februar ihr Referendariat beginnt. "Ich denke, es ist wichtig, dass sie sehen, dass es auf der Wlt noch mehr gibt." Für die junge Frau gab es in mmanze aber auch einige schwierige Dinge anzupacken. "Leider ist an der Schule die Prügelstrafe erlaubt", berichtet sie. "Ich habe ständig versucht, mit den Lehrern über diese Problematik zu sprechen, doch es ist nicht einfach gewesen, sie von etwas abzubringen, was sich in ihren Augen bewährt hat.
Melanie Groß ist die erste, die mit Unterstützung des Bottroper Verein "EdSense" einige Monate im uganischen Mmanze lebte und arbeitete. Die Idee zu diesem Freiwilligendienst entstand nach der Rückkehr von Tim Wehrmaker, der im Sommer 2006 in Mmanze als Hilfslehrer tätig gewesen war. "EdSense" hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Dorf und besonders die dortige Grundschule mit Spenden und Helfern aus Deutschland zu unterstützen. Schützenhilfe bekam der Verein in den letzten Monaten dabei von der Janusz-Korczak-Gesamtschule und der Matthias-Claudius-Grundschule. Sie hat 550 Euro aus dem Erlös eines Festes gespendet, das Geld wurde von Melanie Groß nach Uganda mitgebracht. "Davon haben wir in erster Linie Schulmaterial gekauft", berichtet sie.
Doch weitere finanzielle Hilfe wird dringend gebraucht. Das Schulgebäude ist eigentlich nicht mehr als ein Wellblechdach über ein paar Bänken, toiletten sind mangelware und Wasser muss mehrmals täglich in Kanistern geholt werden. "Die nächsten Projekte, die wir in Angriff nehmen wollen, sind daher ein neues Schulgebäude und ein Wassertank in der Nähe der Schule", beschreibt Bartoz Wierbicki von "EdSense".
Bei der Matthias-Claudius-Grundschule ist vor einigen Wochen ein Dankesbrief vom Direktor der Schule in mmanze eingetroffen. "Eine gute Schulbildung ist für die Kinder hier sehr wichtig, nur so haben sie die Möglichkeit, später einen Beruf zu erlernen und Geld zu verdienen",schreibt Mulindwa William darin. "Wir Lehrer hier versuchen daher den Kindern so viel wie nur möglich beizubringen, um ihnen den Weg in eine bessere Zukunft ebnen zu können. Dank Eurer Hilfe kommen wir diesem Ziel erneut ein Stück näher." Melanie Groß hat eine Reihe von Fotos und selbt gemalten Bilder "ihrer" Kinder mitgebracht, um den Mädchen und Jungen in Kirchhellen ihre Altersgenossen in Mmanze näher zu bringen.
Weitere Frewillig, die Zeit und Engagement in mmanze investieren wollen, werden dort schon jetzt sehnlichst erwartet. Benötigt werden vor allem Lehrer oder Studenten, aber auch Bottroper mit medizinischen oder krankenpflegerischen Kenntnisse werden gebraucht. Aber auch wer einfach nur bei den anstehenden Projekten mit anpacken will, kann sich mit "EdSense" in Verbindung setzen. Der Stadtspiegel (Tel. 02041-184330) vermittelt gerne den Kontakt. Wer Informationen über Melanies Zeit in Mmanze garniert mit Fotos und einem Video über das Leben im Dorf, aus erster Hand haben möchte, kann sie bald bekommen. Bei einem Infoabend (genaues Datum und Ort stehen noch nicht fest) wird sie von ihren Erfahrungen berichten.
Melanie Groß ist seit ein paar Tagen wieder zuhause. Ihre Eltern und Geschwister haben sie am Flughafen mit einem großen Schild erwartet: "Osibye Otanyo" stand darauf, was in Uganda soviel wie "Guten Tag" bedeutet. Ihre Familie auf Zeit hatte sie ein paar Stunden zuvor zum Flughafen in Entebbe gebracht. "Ich kann mein Leben hier jetzt viel mehr schätzen", zieht die 23-Jährige Bilanz. "Ich kann jedem nur raten, so eine Erfahrung auch einmal zu machen."