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Toilettenbauprojekt und Strafenkatalog
Geschrieben von Judith Schmitz, Stadtspiegel Bottrop   
Saturday, 21 October 2006

Im Grunde ist es erst ein paar Tage her, dass Tim-Johannes Wehrmaker ins Flugzeug stieg und sein Zuhause in Kirchhellen für ein halbes Jahr mit einem Häuschen einer Familie im ungandischen Dorf Mmanze eintauschte.

Wie Tim-Johannes Wehrmaker Uganga erlebt

Für den 21-Jährigen war es kein Kulturschock, in dieser anderen Welt anzukommen – und wenn doch, dann war es ein sehr positiver Kulturschock. „Die Menschen hier sind unglaublich freundlich und herzlich“, berichtet er. „Ich bin ein richtiger Teil der Familie geworden. Wir singen abends zusammen, manchmal sagen sie ,brother Timu’ zu mir und immer begegnet mir ein Lachen.“

Die Armut in Uganda und die Lebensumstände der Menschen dort jedoch sind für Tim-Johannes, der schon immer eine Leidenschaft für Afrika hatte, ein schwer zu verdauender Brocken.

Die Grundschule an der Tim-Johannes arbeitet heißt „Namutenga primary school and nursery“ und verfügt über sehr wenig finanzielle Mittel. Sie ist eine der wenigen öffentlichen Schulen in Uganda, einem Land, in dem für Bildung gezahlt werden muss. Da die Schule so arm ist, verfügt sie nur über eine sehr ungenügende Toilettenanlage. Doch das ändert sich zur Zeit. „Die Toiletten waren einfach nicht zumutbar und so habe ich mich kurzerhand entschlossen, neue sanitäre Einrichtungen mit Geld aus Deutschland zu finanzieren“, berichtet Tim-Johannes Wehrmaker über eine seiner ersten Aktivitäten. „Inzwischen sind die Toiletten schon im Bau und das ganze Dorf freut sich darüber.“

Die Schule, die seit 1987 existiert,  hat rund 150 Schüler, die von drei Lehrern und im Moment auch von dem jungen Bottroper unterrichtet werden. „Ein Klassenraum existiert in dem Gebäude, ein weiterer ist in der auf dem Gelände stehenden katholischen Kirche untergebracht“, schreibt der 21-Jährige in seinem Bericht aus Uganda. „In der Kirche gibt es nicht mal einen Altar, geschweige denn Bänke, Fenster oder einen Bodenbelag.“ Zwei weitere Klassenräume verdienen diese Bezeichnung nicht wirklich, denn sie sind nur einfache Unterstände, die aus mit Wellblech gedeckten Holzstelzen bestehen.

Auf Anregung von Tim-Johannes Wehrmaker wird in seiner Schule im nächsten „Term“ (die Schuljahre sind in Uganda in Drittel, sogenannte „Terms“ unterteilt) ein Umweltunterricht eingeführt. „Hier gibt es keine Müllabfuhr, noch nicht mal Mülleimer, so dass die wunderschöne Natur unter Plastikabfälle und sonstigem nicht kompostierenbaren Abfall leidet“, so Tim-Johannes. „Jeder wirft hier völlig unüberlegt seine Abfälle dahin, wo er gerade geht und steht.“

Als der Bottroper in Uganda ankam, stellte er mit Erschrecken fest, dass dort an den Schulen noch die Prügelstrafe üblich ist. „Ich erlebte weinende Kinder am Boden, deren Hintern von sehr harten Schlägen heimgesucht wurden“, schildert er seine Erlebnisse. „In Uganda ist das zwar im Prinzip per Gesetz verboten, doch sowas wird hier nicht so genau genommen. Zu meinem Entsetzen musste ich beim  Austausch mit anderen Ehrenamtlichen erfahren, dass Schläge zur Normalität für ugandische Schulkinder gehören.“ Tim-Johannes hat protestiert, und das mit Erfolg. „Nun sind an meiner Schule Strafen wie Schulhof reinigen oder Strafarbeiten eingeführt, so dass den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, an ihren Fehlern zu wachsen“, fährt der Afrikafan fort.

Sportunterricht gibt es an der Grundschule in Tim-Johannes Dorf nicht. „Es gibt einfach kein einziges Sportgerät“, erzählt er. „Die Schulglocke ist eine alte Autofelge, gegen die geklopft wird. Meine Schule ist tatsächlich sogar für ugandische Verhältnisse unter dem Durchschnitt, da es sich um eine der ganz wenigen öffentlichen Schulen handelt.“ Der Staat in Uganda unterhält zwar Schulen, doch diese sind gebührenpflichtig. „So ist Bildung hier ein Privileg und der Reichtum einer Familie bestimmt die Qualität der Ausbildung“, zieht Tim-Johannes Wehrmaker Bilanz. „Tragisch.“

Für die Mädchen und Jungen in Uganda ist der Schulbesuch aber auch aus anderen Gründen nicht problemlos. „Manche meiner Schüler kommen regelmäßig zu spät zum Unterricht“, erzählt Tim-Johannes, „weil sie in ihren Familien arbeiten müssen. Sie müssen zum Beispiel zehn- bis 20-Liter-Wasserkanister vom oft Kilometer entfernten Bohrloch nach Hause tragen, das zum Waschen, Kochen und Putzen gebraucht wird.“ Außerdem müssen die Kinder im etwa fußballfeld großen Garten der Familie graben, pflanzen und ernten, was vor der Schule auf der Tagesordnung steht. Auch in den Ferien müssen die Kleinen kräftig mithelfen. „Das bedeutet: Aufstehen um 6 Uhr, den ganzen Tag arbeiten, damit die Familie genug zu essen selbst produziert“, berichtet der Helfer aus Deutschland. „So muss möglichst wenig hinzu gekauft werden und das wenige Geld, das durch sogenannte ,cash crops’ wie Kaffee verdient wird, der Schulbildung zur Verfügung steht.“ Obwohl die Mädchen und Jungen in Uganda ein wirklich hartes Leben haben, habe er noch nie so kreative und fröhliche Kinder getroffen, wie dort in Afrika, berichtet Tim-Johannes. „Sie haben kein Spielzeug und erfinden so unglaubliche viele Spiele selbst. Anweisungen oder Vorschläge braucht ein ugandisches Kind nicht zum Spielen. Man steht einfach nur daneben und staunt“, so der Kirchhellener.

In Uganda, das in Ostafrika liegt, leben rund 27 Millionen Menschen auf einer Gesamtfläche von 241.038 Quadratkilometern. Das Land ist, abgesehen von seiner Hauptstadt Kampala, von kleinen Städten und Dörfern geprägt. Die Lebenserwartung der Menschen dort ist im Vergleich zu Europa recht niedrig: 45,28 Jahre. Vor allem AIDS hat in den letzten Jahren eine erhöhte Sterblichkeitsrate verursacht.